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Arbeitsgruppen - Klinische Forschung Pankreas

Arbeitsgruppenleiter: Prof. Dr. med. Thilo Hackert

Die Forschungsgruppe Pankreas unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Th. Hackert beschäftigt sich mit der Erforschung von benignen und malignen Erkrankungen der Bauchspeicheldruse. Schwerpunkte bilden Projekte sowohl zur chronischen Pankreatitis, den zystischen Tumoren (v.a. IPMN) als auch zum Pankreaskarzinom. Daneben werden technische Aspekte der Pankreaschirurgie evaluiert. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, sowie dem Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen.

Aktuelle klinische Studienprojekte Projekte umfassen hier die Bedeutung des Pylorus für das Auftreten einer postoperativen Magenentleerungsstörung. In einer retrospektiven Studie konnte hier gezeigt werden, dass eine Entfernung des Pylorus diese Problem deutlich reduziert (Hackert et al., Am J Surg 2013). In einer randomisierten Studie wird dies aktuell validiert (PROPP-Studie, Hackert et al., Trials 2013). Daneben stellt die Pankreaslinksresektion einen chirurgisch-technischen Fokus der Forschungsaktivitäten dar. Neben der abgeschlossenen Studie zur Abdeckung der Resektionsfläche (s.u.) werden hier aktuell weitere Studien zur Senkung der postoperativen Fistelrate umgesetzt. Bezüglich der postoperativen ambulanten Betreuung von Patienten nach Linksresektion konnte gezeigt werden, dass eine Flüssigkeitskollektion in weiteren Verlauf sehr häufig auftritt, jedoch meist ohne weitere Probleme ausheilt (Tjaden et al., eingereicht).

 

 

Neoadjuvante Therapie beim Pankreaskarzinom

PD Dr. Oliver Strobel beschäftigt sich mit der neoadjuvanten Therapie beim Pankreaskarzinom. Bei Diagnosestellung sind duktale Adenokarzinome nur bei ca. 25% der Patienten resektabel. 30-40% der Patienten haben lokal fortgeschrittene Tumore, die primär lokal irresektabel sind. Bei diesen Patienten kann eine neoadjuvante Therapie mit darauffolgender Resektion die Prognose verbessern. In einer prospektiven Studie an 257 Patienten, die nach Durchführung einer neoadjuvanter Therapie operiert wurden, konnte gezeigt werden dass diese ein vergleichbares Überleben im Vergleich zu Patienten nach Resektion primär resektabler Tumore haben (Strobel et al. Surgery 2012). Bis zu 80% der aller Patienten entwickeln innerhalb der ersten beiden Jahre nach primärer Resektion eines Pankreaskarzinoms ein Rezidiv. 20% dieser Patienten haben isolierte Lokalrezidive. In einer prospektiven klinischen Studie wurden an 111 Patienten gezeigt, dass eine Rezidivresektion im Rahmen einer multimodalen Therapie beim Pankreaskarzinom sicher durchführbar ist und zu Überlebensergebnissen führt, die weit über den in der Literatur zur palliativen Therapie berichteten Zahlen liegen (Strobel et al. Ann Surg Oncol 2013).
In aktuellen Untersuchungen wird der Einfluss des Lymphknotenbefalls auf die Prognose des Pankreaskarzinoms untersucht. Während bisher nur N0 (kein Lymphknotenbefall) und N1 (Lymphknoitenbefall) unterschieden wird, zeigen aktuelle Ergebnisse aus Heidelberg, dass die Anzahl positiver Lymphknoten zur verbesserten Einschätzung der Prognose benutzt werden kann.

Etwa 7% aller Menschen haben eine isolierte Doppelanlage des Pankreasausgangs in den Zwölffingerdarm. Dieses nennt man Pankreas Divisum. Wiederum 7% der betroffenen haben Beschwerden wie wiederkehrende Oberbauchbeschwerden oder Schübe einer akuten Pankreatitis. Wir konnten anhand des eigenen Patientenkollektivs einen chirurgischen Behandlungsplan für die betroffenen Patienten entwickeln mit hoher Patientenzufriedenheit im Verlauf (Schneider L, et al. World J Surg, 2011).
Probleme an den Ausführungsgängen der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm können Tumoren oder entzündliche Engstellungen sein. Betroffene Patienten durchleben oft eine Lange Krankengeschichte mit wiederkehrenden endoskopischen Eingriffen. Eine operative gute Alternative ist die chirurgische Entfernung des betroffenen Ausführungsgangs mit Neueinnaht. Die Ergebnisse dieser seltenen Operation stellt in unserem Haus die weltweit größte Serie dar und zeigt hervorragende Ergebnisse im Verlauf (Schneider l, et al, in process).
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung für die eine operative Entfernung den entscheidenden Vorteil für die betroffenen Patienten gibt. Eine zusätzliche Chemotherapie nach der Operation, wirkt sich zudem vorteilhaft für die Patienten aus. In einem europaweiten Expertennetzwerk (ESPAC) spielt Heidelberg eine entscheidende Rolle bei der Weiterentwicklung dieser zusätzlichen Chemotherapieansätze, um das Ergebnis der operierten Patienten zu verbessern. Aktuell läuft in dieser Gemeinschaft die ESPAC-4 Studie, in der eine Kombinationschemotherapie mit einer Standardchemotherapie gegen den Standard alleine auf eine Überlebensverbesserung getestet wird. Die Rekrutierung dieser Studie ist fast abgeschlossen und wir sind alle gespannt, auf die Ergebnisse.
Für Patienten bei denen der Bauchspeicheldrüsentumor nicht mehr entfernt werden kann oder wiedergekommen ist, untersuchen wir in der PANUSCO Studie eine neue Behandlungsstrategie, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Hier wird die Lebensqualität  der Patienten unter Chemotherapie mit und ohne Zusatzernährung in die Vene untersucht.

Muzinös-zystische Pankreastumore

PD Dr. S. Fritz und J. Kaiser befassen sich schwerpunktmäßig mit muzinös-zystischen Pankreastumoren, eine der am besten beschriebenen Vorstufen des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Im Mittelpunkt stehen dabei die intraduktal papillär muzinösen Neoplasien (IPMNs). Es handelt sich hierbei um Pankreastumoren, welche zunehmend bei Routineuntersuchungen diagnostiziert werden. Obwohl über IPMNs inzwischen relativ viel bekannt ist, besteht bis heute eine gewisse Unsicherheit, wenn es darum geht, mittels Bildgebung zu unterscheiden, ob ein Tumor gutartig ist oder ob er auch bösartige Anteile enthalten könnte. So wird im Zweifelsfall häufig eine Operation durchgeführt, um einen bösartigen Tumor zu diagnostizieren und ggf. adäquat zu behandeln. Da jedoch eine Pankreasoperation ein nicht unerhebliches Risiko beinhaltet und mit Langzeitfolgen wie der Entstehung einer Blutzuckerkrankheit verbunden sein kann, ist es wichtig, vor der Operation das Risiko für eine Krebserkrankung genauer abschätzen zu können. Aus diesem Grund untersuchte die Arbeitsgruppe um PD Dr. Stefan Fritz, ob mit Hilfe von Tumormarker, welche über eine einfache Blutentnahme bestimmt werden können, das Risiko für das Vorliegen eines bösartigen Tumors bestimmt werden kann (Fritz et al., Brit. J. Surg. 2011). Außerdem wurde erforscht, ob auch kleine, in der Bildgebung nicht krebsverdächtige IPMNs, bösartig sein können (Fritz et al., Ann. Surg. 2012) und wie sich IPMNs verhalten, die an verschiedenen Stellen der Bauchspeicheldrüse gleichzeitig (multifokal) auftreten (Fritz et al., Surgery 2012). Die neuesten Forschungsergebnisse zu IPMNs wurden in zwei Übersichtsarbeiten zusammengefasst und publiziert (Werner et al., Nat. Rev. Gastroenterol. Hepatol. 2012 und Fritz et al., Chirurg 2012).

Pankreaslinksresektionen

Dr. M.Hassenpflug beschäftigt sich wissenschaftlich mit Pankreaslinksresektionen. Hier konnte am eigenen Patientenkollektiv gezeigt werden, dass offenbar eine Abdeckung des Schnittrandes nach Pankreasschwanzresektionen das Risiko der Ausbildung einer folgenreichen Pankreasfistel, bei der Verdauungssekret in den Bauchraum gelangt, deutlich reduzieren kann (Hassenpflug et al., Surgery 2012). Derzeit wird untersucht, of die Ergebnisse im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie reproduziert werden können (DISCOVER-Studie; DRKS-ID: DRKS00000546; Hassenpflug et al. Trials 2013).
Weitere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dem Einfluss einer Milzentfernung, die meist Bestandteil einer Pankreasschwanzresektion ist, auf die postoperative Blutgerinnung sowie mit der Bedeutung der Infiltration der Milzgefäße bei Pankreasschwanzkarzinomen auf das Langzeitüberleben der Patienten.

Einfluss von Körpermasse und Körperfett-Verteilung auf den Verlauf nach Pankreatoduodenektomie

Dr. T. Pausch hat den möglichen Einfluss von Körpermasse und Körperfett-Verteilung auf den Verlauf nach Pankreatoduodenektomie beim Pankreaskarzinom untersucht. In der Analyse von über 400 Patienten zeigte sich, dass kachektische Patienten sowohl höhere Komplikationsraten als auch eine höhere 90-Tages-Mortalität zeigten (Pausch et. al. 2012). Eine Evaluation der immuno-nutritiven prä- und perioperative Optimierung der Patienten mit Pankreaskarzinom-assoziierter Tumorkachexie wird prospektiv evaluiert.
Daneben wird die klinische Bedeutung der postoperativen Pankreasfistel anhand der Anwendung der etablierten Definition gemäß der ISGPF (international study group for pancreatic fistula; Bassi et al. 2005) im Heidelberger Kollektiv zwischen 2006 und 2013 untersucht.